Hauptsache Hetze, Fakten Nebensache

Veröffentlicht von Martin Bürger | 09. Februar 2010, 19:53 | Kategorien: Allgemein

„Der Spiegel“ hat – wie könnte es anders sein – die Missbrauchsskandale innerhalb des Jesuitenordens und der Kirche in Deutschland allgemein zum Titelthema gemacht. Das Titelbild ist schon eine Sache für sich, aber darum geht es mir in diesem kurzen Beitrag nicht. Ich möchte „nur“ scharf kritisieren, wie wieder einmal alles in einen Topf geworfen wird – Hauptsache, man kann Kirchenbashing betreiben. Der Spiegel kämpft da bekanntlich an vorderster Front, und das im Prinzip schon immer.

Beschränken möchte ich mich in diesem Zusammenhang darauf, auf ein Bild hinzuweisen, das in besagtem Spiegel-Artikel verwendet wurde. Hier eine Fotografie von der jüngsten Ausgabe des Spiegels:

„Screenshot“ aus: „Der Spiegel“

Für die „Fachleute“ unschwer zu erkennen, handelt es sich um ein Bild von einer Priesterweihe in Wigratzbad für die Petrusbruderschaft. Allein das hat schon einmal überhaupt nichts mit dem Thema zu tun, denn es geht um Jesuiten, nicht um die FSSP. Man könnte vielleicht einwenden, es sei nur ein Symbolbild, aber dieser Einwand ist kaum tragbar. Es gibt genug Bilder, die mit dem Thema zu tun haben.

Darüber hinaus passt ein Foto von einer Weihe im alten Usus stilistisch sowas von überhaupt nicht! Bei Jesuiten vermutet man liturgisch ganz anderes, ebenso bei durchschnittlichen Weihen in durchschnittlichen deutschen Diözesen (angefangen bei „Kartoffelsäcken“ als Messgewändern). Bezeichnend ist ferner, dass auf der gegenüberliegenden Seite im Spiegel Fotos von den „betroffenen“ Jesuiten sind: in Zivil, einer sogar nur im Unterhemd. Wohlgemerkt sind das Fotos, die aus der Zeit nach ihrer Weihe stammen (nur um keine Irritationen aufkommen zu lassen).

Schließlich muss uns noch ein dritter Punkt beschäftigen. Die Bildunterschrift lautet: „Priesterweihe in Baden-Württemberg. Verkrampfte Einstellung zur Homosexualität“. Die abgebildeten Priesterweihen sind nicht in Baden-Württemberg, sondern in Bayern. Auch wenn die Spiegel-Redakteure die Weihe mit einer bei der FSSPX verwechselt hätten, wäre Bayern richtig gewesen. Bleibt abzuwarten, wie die Petrusbruderschaft – deren Distriktssitz in Wigratzbad bis vor wenigen Stunden nicht einmal über diesen Artikel informiert war – reagiert. Der Distriktsobere, P. Axel Maußen, zeigte sich im Gespräch mit meinem Kollegen Benjamin Greschner „entsetzt“ – was nicht weiter verwunderlich ist.

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7 Kommentare zu „Hauptsache Hetze, Fakten Nebensache“.

  1. Elsa :

    Man versucht wohl gerade, das den Rorate Caeli -Bloggern irgendwie im Kommentarbereich klar zu machen, woran man sieht, dass der Spiegel in Übersee immer noch als renommiertes Nachrichtenmagazin wahrgenommen wird- sogar von katholischen Konservativen.

  2. Heriger :

    Die Bildunterschriften im Spiegel haben neben der Bezeichnung (etwa “Kanzlerin Merkel, Minister Schäuble:”) immer einen Zusatz, der nichts mit dem Bild zu tun hat und in dem oft Zitate aus dem Artikel stehen, die aber keinen konkreten Bezug zu dem Bild im Besonderen haben. Genau diesen Eindruck erweckt der Spiegel mit diesen Bildbeschreibungen aber, er nutzt sie zu verdeckter Meinungsmache.
    Journalismus der übelsten Sorte.

  3. Elsa :

    Ich muss mich korrigieren, den Freunden von Rorate Caeli geht es scheinbar ausschließlich darum den deutschen Bischöfen eins reinzuwürgen. Dafür ist ihnen sogar ein Spiegel-Bericht recht und billig. Nach dem Motto: Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Find ich jetzt nicht grad ne Glanzleistung.

  4. Daß - vor allem in gewissen - Medien nach Strich und Faden manipuliert wird, ist nichts Neues bei den selbsternannten Vertreter der “Vierten Gewalt” - vor allem, wenn sie vom sogenannten “Sturmgeschütz der Demokratie” kommen. Daß kirchliche Stellen wie die FSSP davon keine Ahnung haben, wenn sie durch den Dreck gezogen werden, ist eine andere - jedenfalls irgendwie auch unrühmliche - Angelegenheit. Gewiß, man muß nicht jedem Dreck, der über die eigene Sache verbreitet wird, durch eine Reaktion weitere Bekanntheit verschaffen - aber man sollte auf jeden Fall Bescheid wissen, was draußen so an Stimmungsmache wabert.

  5. Elsa :

    Es wird für einen stark gekürzten Leserbrief langen. Denn greifbar ist das alles juristisch ja nicht. Die gute Nachricht für die FSSP ist lediglich, dass alle der Meinung sind, es handle sich um FSSPX-Priester.
    :-/

  6. Martin Bürger :

    @ Elsa:

    Ja, Rorate Caeli tut sich da gerade wirklich nicht hervor… Einen Kommentar zu zensieren, solange er vernünftig ist, halte ich schon für ziemlich fragwürdig. Aber das Problem liegt ja nicht nur in der Darstellung des Spiegels, sondern auch darin, was Anlass für diesen Artikel war. Die Zahlen sind erschreckend.

    Wieso glauben Sie, alle seien der Meinung, das sei ein FSSPX-Bild?

  7. Elsa :

    Nun, jeder Fall ist klar einer zuviel, aber so wahnsinnig erschreckend finde ich die Zahlen für diesen großen Zeitraum jetzt auch wieder nicht.
    Vergleichen Sie doch einmal die Zahl der Fälle im gleichen Zeitraum an säkularen Instituten. (Ich will hier nix verharmlosen. Das Problem beim Missbrauch durch Priester ist ein Ernstes! Und zwar deswegen, weil der Priester immer noch die Möglichkeit hat, wieder mit Gott ins Reine zu kommen. Viele Opfer aber werden sich verständlicherweise von der Kirche völlig abwenden, sie hassen, Atheisten werden usw. Hier gehen Seelen auf ewig verloren!)

    Worauf RC wohl hinauswollte war, dass die Fälle etwas mit der Säkularisierungstendenz bzw dem Liberalismus zu tun haben. Daran sind aber zunächstmal weniger die deutschen Bischöfe allesamt schuld, sondern in erster Linie die Jesuiten selbst. Das hat man ja deutlich gemerkt an ihren äußerst fragwürdigen Zuwortmeldungen.

    Bei Politisches Unpolitisches stand einige Zeit lang FSSPX-Priesterweihe, bis ein Kommentar das korrigierte. Bruder Paulus twitterte zum Artikel ebenfalls, es handle sich um FSSPX. Nur wenige Leute wissen, dass es auch andere altrituelle Gemeinschaften gibt. Was ich auch sehr schade finde. (Ich selbst dachte aber auch sofort an FSSPX, wie ich zugebe).

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